Der Jetstream — warum der Rückflug oft eine Stunde länger dauert

· Kim Engels

damit du weißt, warum der Westflug nie so schnell ist wie der Ostflug.

Wer schon mal Frankfurt nach New York geflogen ist und sich gewundert hat, warum der Hinflug 8 Stunden 30 dauerte und der Rückflug nur 7 Stunden 15 — der hat den Jetstream kennengelernt, ohne es zu wissen. Der Jetstream ist eine atmosphärische Strömung, die in der Höhe der Reiseflughöhe in eine Richtung läuft (von West nach Ost), und in deren Strömungs-Achse Linienflugzeuge sich entweder hineinsetzen oder herausschleichen.

Im ersten Fall: der Flug wird kürzer. Im zweiten: er wird länger.

Was der Jetstream physikalisch ist

Der Jetstream ist ein Schmalband schneller Strömung in 9 bis 12 km Höhe — genau in deiner Reiseflughöhe. Er entsteht, wo warme tropische Luft auf kalte polare Luft trifft. Die Temperaturdifferenz erzeugt einen Druckgradienten, der unter Einfluss der Erddrehung in eine West-zu-Ost-Bewegung umgelenkt wird.

Wo genau läuft er? Auf der Nordhalbkugel oszilliert der Polar-Jetstream zwischen 30° und 70° Breitengrad. Im Sommer weiter nördlich, im Winter weiter südlich. Im Atlantik-Korridor liegt er typischerweise auf 50–55° N (entlang der Nordatlantik-Tracks).

Geschwindigkeit: typischerweise 200 km/h, in extremen Fällen 400 km/h. Ja, 400. Das ist ein Drittel der Reisegeschwindigkeit eines Verkehrsflugzeugs.

Was das praktisch bedeutet

Ein Flug, der 250 km/h Rückenwind bekommt, fliegt effektiv 1.150 km/h gegenüber dem Boden statt 900. Auf einer 6.000-km-Strecke wie FRA–JFK sind das etwa 45 Minuten Zeitersparnis. Auf manchen 777er-Atlantik-Verbindungen sind sogar Rekorde von deutlich unter 5 Stunden (Atlantik-Querung) gemessen worden — was sonst 6:30 dauert.

Der Rückweg ist die Schmerzversion. Wer 250 km/h Gegenwind hat, fliegt 650 km/h gegenüber dem Boden. Das macht aus 8 Stunden 9:30. Plus der Treibstoffverbrauch ist 15-20% höher.

Wie Piloten ihn nutzen

Auf Eastbound-Flügen über den Nordatlantik (Europa nach USA-Ostküste umgekehrt: USA-Ostküste nach Europa) versuchen die Piloten, direkt im Jetstream-Kern zu fliegen. Das ist nicht trivial — der Jetstream ist eine schmale, oft nur 100 km breite und 1-2 km dicke Schicht. Die North Atlantic Tracks (NATs) — täglich neu vom Operations Control der Airlines koordiniert — werden so optimiert, dass möglichst viele Maschinen den Jetstream mitnehmen können.

Auf Westbound-Flügen ist die Strategie umgekehrt: man versucht, dem Jetstream auszuweichen. Routen führen dann oft südlicher oder höher, wo die Strömung weniger stark ist.

Was du auf Skyty siehst

Saisonalität

Winter (Dezember–Februar): Jetstream ist am stärksten. Atlantik-Crossings können extrem schnell oder extrem langsam sein. Größere Variabilität.

Sommer (Juni–August): schwächer. Atlantik-Flüge sind in beide Richtungen ähnlich lang.

Wer Geld sparen will: nimm den Eastbound-Flug im Winter. Wer Zeit sparen will, gleiche Antwort.

Eine Beobachtung

Der erste Pilot, der den Jetstream als Phänomen erlebte, war 1944 ein japanischer B-29-Pilot namens Wiley Post — er wunderte sich, warum sein Bomber bei einem Flug nach Tokio mit seltsamen Zahlen ankam, deutlich schneller als errechnet. Das Phänomen wurde dann Jahre später durch westliche Meteorologen formalisiert. Der Jetstream existiert seit es Erde mit Atmosphäre gibt — Menschen sind ihm erst durch hohes Fliegen begegnet.