Warum Flugzeuge auf 35.000 Fuß fliegen — und nicht höher
damit du weißt, warum die Kabine immer auf der gleichen Höhe ist.
Fragt man zehn Vielflieger, warum ein Linienflug auf 35.000 Fuß fliegt, kriegt man zehn ungefähre Antworten. „Weil die Luft dünner ist.” „Weil das Wetter da oben besser ist.” „Weil die Triebwerke da effizienter laufen.” Alles drei stimmt. Aber keine der Antworten erklärt, warum es genau dieser Höhe und nicht 25.000 oder 50.000 Fuß ist.
Die Wahrheit ist ein Optimum, nicht ein Maximum. Lass mich erklären.
Drei Kräfte, die gleichzeitig drücken
In jeder Reiseflughöhe arbeiten drei Faktoren gegen einander:
Luftdichte (will tief) — je tiefer das Flugzeug, desto dichter die Luft, desto mehr Auftrieb pro Flügelfläche. Auf Meeresspiegel könnte ein A350 mit halber Geschwindigkeit fliegen.
Luftwiderstand (will hoch) — gleiche Luft, gleicher Auftrieb, aber auch gleicher Widerstand. Je dünner die Luft, desto weniger Widerstand. Auf 60.000 Fuß ist der Widerstand fast vier Mal kleiner als auf Meeresspiegel.
Triebwerksleistung (will tief) — Düsentriebwerke brauchen Sauerstoff. Je dünner die Luft, desto weniger Schub pro Triebwerk. Auf 60.000 Fuß bringt ein Triebwerk nur einen Bruchteil der Leistung, die es am Boden bringt.
Diese drei Kräfte schneiden sich an einem Punkt, in dem die Treibstoffeffizienz pro geflogenem Kilometer maximal wird. Bei einem typischen Verkehrsflugzeug der Generation A320 oder 737 liegt dieses Optimum bei etwa 35.000–37.000 Fuß, abhängig von Gewicht und Wetter. Bei modernen Langstreckenmaschinen wie A350 oder 787 verschiebt es sich leicht nach oben — 38.000 bis 41.000 Fuß.
Was passiert über 41.000 Fuß
Über 41.000 Fuß werden Probleme akut. Die Luft wird so dünn, dass die Triebwerke an ihre Leistungsgrenze stoßen. Wenn das Flugzeug an eine Coffin Corner kommt — den Punkt, an dem die Mindest-Geschwindigkeit (Stall) und die Maximal-Geschwindigkeit (Mach-Buffet) konvergieren — gibt es keine Sicherheitsmarge mehr. Ein paar Knoten zu langsam: Strömungsabriss. Ein paar Knoten zu schnell: Überschall-Welle am Flügel.
Die einzigen Maschinen, die sicher über 41.000 Fuß fliegen, sind solche mit ungewöhnlich starken Triebwerken oder ungewöhnlich aerodynamischen Flügeln: Concorde (60.000 Fuß), Cessna Citation X (51.000 Fuß), G650 (51.000 Fuß), SR-71 (85.000 Fuß). Linienverkehr bleibt unter 42.000.
Was passiert unter 25.000 Fuß
Unter 25.000 Fuß ist die Luft zu dicht. Mehr Auftrieb, ja, aber auch mehr Widerstand. Triebwerke leisten zwar besser, brauchen aber deutlich mehr Treibstoff. Auf Mittelstrecke kostet ein 5.000-Fuß-niedriger-Flug 5–8% mehr Sprit. Auf Langstrecke summiert sich das schnell zu Tonnen.
Plus: Wetter. Unter 30.000 Fuß bist du mitten in der Wettermaschine. Tropopause — die Grenze zwischen Troposphäre und Stratosphäre — liegt je nach Breitengrad zwischen 26.000 und 56.000 Fuß. Über der Tropopause ist die Atmosphäre praktisch wetterfrei: keine Cumulus, keine Gewitter, kein Niederschlag. Genau das wollen Flugzeuge.
Praktisch
- Skyty AGL-Anzeige zeigt dir die echte geometrische Höhe. Zeigt sie 35.500 m, fliegst du im Optimum.
- Reisehöhe variiert während des Flugs. Auf einer 12-Stunden-Strecke wirst du vielleicht zwei oder drei „Step Climbs” machen — wenn der Treibstoff verbrannt ist, wird das Flugzeug leichter und kann höher fliegen, wo der Widerstand kleiner ist.
- Verschiedene Routen, verschiedene Höhen. Von Westwind profitiert man bei Eastbound-Flügen — entsprechend wählt man höher, wo der Jetstream steht.
Eine kleine Beobachtung
Der Grund, warum „35.000 Fuß” zur Folklore-Höhe geworden ist (Songs, Filme, Romane), ist denkbar einfach: das war über Jahrzehnte die ehrliche Antwort. Mit modernen Maschinen ist es zunehmend 38.000–41.000. Aber „38.000 Feet” ist niemals ein Songtitel geworden. „35.000 Feet” hat eine bessere Silbenform.